AfD SharePic Analyse

In dem Video haben wir drei Facebook Bilder der AfD auf ihren emotionalen Gehalt untersucht und die Social Media Taktik der Partei offengelegt.

Transkript als PDF:

https://drive.google.com/file/d/1x1e3zU4InaSdbMithr-4asn6l9NdLK33/view?usp=sharing

Video in Textform:

1) Einleitung Video

Die „Alternative für Deutschland“, kurz AfD, wurde 2013 gegründet und zog mit 12,6 % der Stimmen 2017 als drittstärkste Kraft in den Bundestag.[1]Die Frage ist: Wie hat es die Partei, die seit ihrer Gründung als „rechtspopulistisch“[2]kritisiert wird, geschafft solch ein gutes Ergebnis einzufahren?

Ein Grund dürfte wohl der Fokus auf soziale Medien im politischen Wahlkampf sein. Christian Lüth, Pressesprecher der AfD Bundestagsfraktion, sagte der süddeutschen Zeitung: „Wir haben uns als AfD von Beginn an auf Facebook konzentriert. Es ist ein schneller, direkter und preiswerter Zugang zu den Menschen.“. Laut Lüth komme die Partei in den klassischen Medien nur „gefiltert und gefärbt durch“.[3]Scrollt man über die Facebook Seiten der AfD, so fallen einem die vielen „SharePics“ ins Auge. SharePics sind aussagekräftige, oft emotionale Bilder mit einem kurzen und prägnanten Text darauf, die selbsterklärend sind und sich zum Teilen auf sozialen Netzwerken anbieten. Frida Westrick bezeichnete in einem Gastbeitrag auf der Seite der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die Strategie der AfD wie folgt: „Provokanter Spruch plus wahlweise ein markantes thematisches Bild oder eine Fotomontage beziehungsweise das Portrait eines AfD-Politikers plus Logo, fertig“.[4]Ihr Vorgehen ist erfolgreich, keine andere Partei in Deutschland hat so viele Likes.[5]In meinem Video, welches sich auf unserem Blog finden lässt, untersuche ich drei dieser SharePics und versuche herauszufinden, wie die AfD es schafft bei dem*der Nutzer*in ein Gefühl der Bürgernähe und des Problembewusstseins zu erzeugen.

Bild 1 – Beschreibung

Das erste SharePic wurde von der AfD am 6.1.2018 auf Facebook hochgeladen.[6]Es zeigt eine ältere Frau und einen älteren Mann, die in einem herbstlichen Wald auf einer Parkbank sitzen. Über ihnen die Aufschrift: „36 Milliarden Euro für Migranten in Hartz IV“. Darunter die Frage: „Was würdest du mit diesem Geld machen?“. Zur Auswahl stehen „Lieber 67.000 Euro jährlich für jeden deutschen Rentner in Armut“ oder „Alles lassen, wie es ist: Migranten sind doch unsere Zukunft!“. Für Facebook typisch entscheidet man sich, indem man dem Beitrag mit einer Emotion markiert. Für die erstere Option ist es ein Daumen nach Oben, für die zweite ein lachender Smiley. Die Bildbeschreibung beginnt mit den Worten „Teilen und Mitmachen“. Es werden Belege für die Zahlen genannt und die Abschaffung sozialer Anreize für die Einwanderung gefordert. Als Vorbild wird Österreich genannt, wo arbeitslose Migrant*innen keine Geld- sondern Sachleistungen bekommen.

Bild 1- Analyse

Die Formulierung der Worte und die Gestaltung des Bildes lassen hier eine klare Meinung des Bilderstellers zum Thema Einwanderung erkennen. Zuerst einmal wird eine Verknüpfung zwischen Altersarmut und Migrant*innen in Hartz IV hergestellt, durch die Bereitstellung von zwei Optionen werden mögliche alternative Lösungswege gegen die Altersarmut ignoriert. Die Wahl des Begriffes „Migrant“ ist nicht zufällig, im Gegensatz zu Flüchtlingen die laut Genfer Flüchtlingskonvention kurzfristig in Deutschland vor Verfolgung Schutz suchen, können Migrant*innen auch aus wirtschaftlichen Gründen langfristig nach Deutschland gezogen sein. Die Option, 67.000 Euro jährlich für jede*jeden Rentner*in in Armut monatlich auszugeben, ist grün hinterlegt. Die andere Option hingegen Rot. Zudem wirkt die Auswahlemotion des lachenden Smileys mit verschlossenen Augen wie ein Hohn über Flüchtlingshelfer*innen, die scheinbar vor den Problemen in Deutschland ihre Augen verschließen. Die Formulierung „Alles lassen, wie es ist“ liest sich als Anspielung auf die lange Amtszeit von Angela Merkel, welche in den Augen von Kritiker*innen große Veränderungen innerhalb der Politik verhindert. Der Satz „Migranten sind doch unsere Zukunft“ verweist auf die Bemühung der Regierung, Migrant*innen langfristig zu integrieren, etwa durch Ausbildungen und stärkere finanzielle Unterstützung. Zudem erinnert der Satz an die Aussage von Martin Schulz „Was die Flüchtlinge mit zu uns bringen, ist wertvoller als Gold“[7], die er im Juni 2016 bei einer Rede an einer Heidelberger Hochschule tätigte.

Bild 1- Rezeption

Die Aufforderung zum „Teilen und Mitmachen“ wurde von den Nutzer*innen angenommen. 11.743 Nutzer*innen entschieden sich mit einem Like für die Unterstützung der Rentner*innen, aber nur 191 Nutzer*innen mit dem lachenden Smiley für die Migrant*innen. 2.113-mal wurde das Bild geteilt, 728 Nutzer*innen haben kommentiert.[8]Betrachtet man die Kommentare, so wird die große Wut der Nutzer*innen über die Politik der alten Partien sichtbar. Wie es das Bild darstellt sehen viele Nutzer*innen hier eine Konkurrenz zwischen Migrant*innen und Rentner*innen um die staatlichen Mittel. Auch wird kritisiert, dass nie Geld für Kitas und Schulen zur Verfügung stand, plötzlich aber genug Mittel für die Versorgung von arbeitslosen Flüchtlingen bereitstehen. Der Nutzer Bernd schrieb: „Nie war Geld da für keine Kitas Schulen Straßen und Rentner. Dann kam der Sogenannte Flüchtlingsstrom und plötzlich geht alles. Allerdings nur für Fremde. Und diese Fremden zeigen sich jeden Tag aufs neue sooooo dankbar.“[9], womit er auf die Flüchtlingskriminalität anspielt. Cengiz schreibt „Die Rentner haben Deutschland wieder aufgebaut und als Dank dafür dürfen die Flaschen sammeln weil die Rente nicht zum Leben reicht und die Flüchtlinge kriegen alles in den Arsch gestopft damit muss jetzt Schluss sein kein Geld für die Schmarotzer und kein nachzug mehr sondern nur Sachleistungen denn könnt ihr sehen wie die Flüchtlinge wieder zurück gehen“.[10]

Aber es gibt auch Gegenstimmen, wie von Martin: „Ahja, verstehe. Also die NPD hatte mal so einen Wahlkampfspruch: „Geld für die Oma, statt für Sinti und Roma“. Ihr befindet Euch mit der Grafik auf demselben Niveau. Klassischer Fall von rechter Demagogie. Anstatt gegen komplexe wirtschaftliche Missstände und systembedingte Fehlentwicklungen aufzubegehren, wird das Problem auf wen geschoben? Genau, Ausländer, Flüchtlinge, ist ja auch einfacher. Es sind nicht die Asylsuchenden, die hier irgendjemandem die Rente wegnehmen. Es ist auch nicht deren Schuld, dass Menschen in Deutschland arm sind. Und die Rechnung „Wenn die alle mal raus sind, dann geht es allen Deutschen gut“ tut so unfassbar weh. Wenn Arm sich gegen Arm stellt, hat das noch nie auch nur irgendetwas gebracht, ganz im Gegenteil. Für alle hier, die ernsthaft daran interessiert sind, dass es bessere Renten, Löhne und Arbeitsbedingungen gibt – die AfD ist da der falsche Ansprechpartner“.[11]Entgegnet wird ihm in den Kommentaren, dass sich die Flüchtlinge trotz dem langen Weg durch viele potentielle Asylländer wegen dem vielen Geld in Deutschland niederlassen, dass die Renten- und Sozialsysteme die Belastung durch die Flüchtlinge langfristig nicht aushalten und Kritik an der Tatenlosigkeit von alten Parteien, besonders der SPD.  Wolfgang dazu: „und wen sollen wir ansprechen, wer hat die Lösung? Die SPD bestimmt nicht, die hatte ja nun lang genug Zeit“.[12]

Bild 1- Schlussfolgerung

Untersucht man dieses SharePic, so wird die Social Media Taktik der AfD gut sichtbar. Die steigende Altersarmut in Deutschland ist eine Tatsache und ein komplexes Thema, über dessen Lösung Politiker*innen und Wirtschaftswissenschaftler*innen streiten. Laut einer Studie der Wirtschaftsforschungsinstitute DIW und ZEW im Auftrag der Bertelsmann Stiftung wird 2036 jeder*jede fünfte von Altersarmut betroffen sein, besonders gefährdet sind Ostdeutsche, die sich in den 90ern im neuen Arbeitsmarkt orientieren mussten.[13]In Ostdeutschland war die AfD besonders beliebt, jeder*jede Vierte gab 2017 der AfD dort seine Stimme. Während die alten Parteien über Themen wie Globalisierung, Europolitik und Ökologie debattieren, sehen sich die Menschen dort Minijobs, Arbeitslosigkeit und billiger Konkurrenz aus dem Ausland konfrontiert.[14]Diese Probleme zu beseitigen ist ein komplexes und zeitaufwändiges Unterfangen, dass sich nicht über Nacht bewerkstelligen lässt. Die Bürger*innen bekommen dadurch aber den Eindruck, dass die alten Parteien wie SPD und CDU untätig bleiben und die Probleme nicht anpacken. An dieser Stelle tritt die AfD als Problemlöser auf und bietet eine einfache Lösung an, nämlich die Einstellung der finanziellen Unterstützung von Flüchtlingen. Unterfüttert mit Zahlen der Bild Zeitung und der Rheinischen Post Online wird hier dargestellt, die Menge an gesparten Geld würde jedem*jeder Rentner*in in Armut 67.000 Euro jährlich zur Verfügung stellen, damit also alle Probleme der Altersarmut in Luft auflösen lassen. Die AfD nutzt hier das Potential der sozialen Medien und sorgt mit der Aufforderung zum Abstimmen und Teilen zu einer weiten Verbreitung des Fotos in den Chroniken der Facebook Freunde der Nutzer*innen, die durch die Interaktion darauf aufmerksam werden.

Bild 2- Beschreibung

Das zweite SharePic wurde von dem AfD Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Jörg Meuthen am 10.1.2018 auf Facebook hochgeladen.[15]Es zeigt ein Bild von Meuthen, der in die Kamera lächelt. Über ihm steht geschrieben: „Will man beim Staatsfunk Beziehungen Minderjähriger mit „Flüchtlingen“ fördern?“, darunter „Kika indoktriniert junge Mädchen mit Islamisierungs-Film. Neben seinem Bild steht ein Hinweis auf ein dazugehöriges Video. Unter ihm steht: „Konservativ, Freiheitlich, Patriotisch- Alternative für Deutschland“. In der Bildbeschreibung steht: „Passen Sie auf, wenn Sie Ihre Kinder mal eine halbe Stunde unbeobachtet den „Kinderkanal“ schauen lassen – Sie setzen Ihren Nachwuchs möglicherweise dem Risiko aus, einen Islamsierungsfilm wie diesen hier zu sehen“. Laut der Beschreibung ist es dem AfD Bundestagsabgeordneten Dr. Dirk Spaniel zu verdanken, dass der Skandalfilm bundesweit diskutiert wird. Kritisiert wird ein Verhältnis zwischen einem 16-jährigen, laut einer Richtigstellung von Kika doch 19-jährigen Syrer und einem 16-jährigen Mädchen. Er würde ihr wohl verbieten kurze Sachen zu tragen und Freunde zu umarmen, zudem wolle er sie schnell heiraten. Verlinkt wird ein Facebook Post von Spaniel[16]und je ein Artikel der Bild[17]und der Welt[18], welche über das Thema schreiben. Das auf dem Bild angekündigte Video führt zu der 24- Minuten langen Folge „Malvina, Diaa und die Liebe“ der Serie „Schau in meine Welt“ vom 26.11.2017.[19]

Bild 2- Analyse

Auch bei diesem Bild wird durch die Wortwahl und das Design wieder eine klare Aussage getroffen. Das Wort Flüchtlinge ist in Anführungszeichen gesetzt, womit der Status der Migrant*innen als tatsächliche Flüchtlinge in Frage gestellt wird. Mit der Bezeichnung von dem öffentlich-rechtlichen Kindersender Kika als Staatsfunk wird hervorgehoben, dass alle Bürger*innen diese Dokumentation mit GEZ Gebühren mitbezahlt haben, darauf wird auch in der Bildbeschreibung eingegangen. Mittels weißer und roter Farbe werden zwei Aussagen hervorgehoben: „Kika indoktriniert“ sowie „junge Mädchen mit Islamisierungs-Film“. Als Kontrast zu dem bedrohlich wirkenden oberen Teil ist in der unteren Bildhälfte der freundlich aussehende Professor Meuthen zu sehen, der konservative, freiheitliche und patriotische Werte für die AfD im Bundestag vertritt.

Bild 2- Rezeption

Während eine für Social Media typische Aufforderung zum Liken und Teilen fehlt, so findet sich in der Beschreibung dennoch eine Handlungsaufforderung: „Im Facebook-Beitrag von Dr. Spaniel finden Sie übrigens mögliche Kontaktdaten zur Beschwerde, falls Sie mit diesem Meisterwerk nicht gänzlich einverstanden sind“. In dem Beitrag von Spaniel[20]steht der Name der Programmgeschäftsführerin, die Adresse zum MDR Landesfunkhaus Thüringen in Erfurt sowie Telefon, Telefax und Email von Kika. Laut dem NDR folgten nicht nur viele erboste Kommentare Kika gegenüber, sondern auch Morddrohungen an das Paar. Nicht nur von Islamhassern, sondern auch von Salafisten, denen der Syrer zu liberal war. Die beiden stehen nun unter Polizeischutz.[21]3351 Menschen haben das Bild geliked und 1297 mal geteilt.[22]In den Facebook Kommentaren kritisieren viele die angebliche Indoktrination von jungen Mädchen durch Kika. Andreas schreibt: „Kuppelshow für minderjährige deutsche Mädchen mit erwachsenen muslimischen Männern! Und wenn dann das Mädchen irgendwann wieder Schluß macht wie es bei uns bei der Altersgruppe auch mal üblich ist, dann wird das Mädchen so bestialisch abgeschlachtet wie kürzlich in Kandel! Ehrenmord, weil es bei denen kulturell so üblich ist“.[23]Im angesprochenen Kandel wurde am 27.12.2017 ein 15- jähriges Mädchen von einem 20- jährigem Afghanen erstochen, nachdem sie sich von ihm trennte. Dieser „Ehrenmord“, wie der Nutzer den Vorfall nennt, ist im islamischen Kulturraum überhaupt nicht üblich. Im Islam ist jeder dazu verpflichtet, die jeweiligen Gesetze seines Landes einzuhalten. Mord und Selbstjustiz sind im Islam nicht erlaubt, im Koran findet der Ehrenmord keinen Rückhalt und somit in der Theologie des Islams keine Grundlage.[24]Stephen schreibt: „So peinlich von Seiten kika nun alles still und heimlich verschwinden zu lassen. Was ich hier vermisse ist eine Erklärung von seitens kika was der Film bezweckte. Und eine Entschuldigung erwarte ich auch. Nichts ist bisher geschehen. Nur löschen, Sendeplatz an Sonntag entfernen, sich wegducken“.[25]Tatsächlich wurde der Film nur auf Youtube gelöscht, in der Mediathek lässt er sich weiterhin vollständig ansehen. Auf eine weitere Ausstrahlung der Doku sowie ein Interview mit dem Protagonisten im Fernsehen wurde verzichtet wegen den massiven Drohungen.[26]Aufgrund des Bartes des Syrers und abweichender Informationen über sein Alter wurde dem Sender eine bewusste Täuschung unterstellt. Kika veröffentlichte eine Stellungnahme, indem der Sender sich aber nur für die Fehler bezüglich der Altersangaben entschuldige. Der Freund der 16-jährigen war zur Zeit der Dokumentation 19 Jahre alt, 17 Jahre war er als sie sich kennenlernten. Zu der Handlung steht der Sender allerdings weiterhin, denn in der Dokumentation wird die Beziehung weder idealisiert noch ausgeschlossen: „Die Geschichte von Malvina und Diaa ist eine Liebesgeschichte. Sie sind ein Beispiel dafür, wie unterschiedliche Kulturen aufeinander zugehen. Auch wenn die äußeren Umstände schwierig sind. Beide suchen nach Kompromissen, weil es ohne die nicht geht.“.[27]

Der Nutzer Michael kontert den Kritikern in den Kommentaren: „KiKa indoktriniert – mal wieder die typische AfD-Hetze. Hat einer von euch Kommentatoren (einschl. H. Meuthen) den Film denn überhaupt gesehen? Das Mädel macht nicht den Eindruck, als würde sie sich seinen Glauben und seine Wertvorstellungen aufzwängen lassen. Im Gegenteil – sie zeigt klare Kante.
Dass er aus einer anderen Kultur kommt, ist klar, dass er sich an unsere Regeln gewöhnen muss auch, und dass ihm das schwerfällt – ja mei. Genau darum geht es doch in dieser Reportage.
Und für wie hilflos haltet ihr eigentlich die heutige Jugend? Bei meinen beiden Mädels hätte ich keine Sorge, dass sie irgendwann mit den Kopftuch ums Eck kommen würden. Alles in allem mal wieder Futter für unsere Wutbürger, die sich lieber aufregen statt zu informieren“.[28]In der Dokumentation lehnt das Mädchen tatsächlich das Kopftuch ab und zeigt damit, dass sie keinen Zwang in der Beziehung verspürt. Seine negative Meinung zur Homosexualität teilt sie nicht, auch eine Ehe lehnt sie selbstbewusst ab, sie bezeichnet sich selbst als „Christin und Emanze“.

Bild 2- Schlussfolgerung

Mit diesem SharePic hat es die AfD geschafft, das typische Bild der Nutzer*innen von Moslems zu bestärken und das öffentliche Fernsehen als islamische Indoktrination durch den Staat zu präsentieren. Der Handlungsanweisung, dem Sender Beschwerden zuzusenden, wurde rege gefolgt. Der Fehler des Senders bezüglich dem Alter des Syrers wurde genutzt um dem Sender eine bewusste Täuschung zu unterstellen, die Löschung des YouTube Videos wurde als Eingeständnis gewertet. Sieht man sich das Video jedoch vollständig an, so sieht man wie selbstbewusst das Mädchen für ihre eigenen Werte einsteht, gleichzeitig aber auch die Werte des Syrers respektiert und achtet. Ziel von Kika war es, „Kindern ein Bewusstsein für komplexe Themen zu eröffnen und ihnen Rüstzeug für kritisches, mündiges und eigenverantwortliches Handeln an die Hand zu geben“.[29]

Bild 3- Beschreibung

Das dritte SharePic wurde von der AfD-Fraktion im deutschen Bundestag am 19.12.2017 auf Facebook hochgeladen.[30]Es zeigt Dr. Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD im Bundestag. Er blickt traurig nach rechts, wo geschrieben steht: „Aus Rücksicht auf muslimische Schülerin: Weihnachtsfeier fällt für alle aus“. In der Bildbeschreibung steht, dass die Islamisierung unserer Gesellschaft nun in deutschen Schulen einzieht. Es wird sich darüber beschwert, dass eine muslimische Schülerin allen Mitschüler*innen ihren Willen aufzwingt und nun das Weihnachtsfest für alle im Lüneburger Johanneum ausfällt.

Bild 3- Analyse

Das traurige Gesicht von Gauland vor tristen, grauem Hintergrund sorgt für eine bedrückende Stimmung beim Betrachter. Aus Rücksicht auf eine Schülerin wird, und das ist farblich hervorgehoben, für alle die Weihnachtsfeier ausfallen.

Bild 3- Rezeption

Weder auf dem Bild noch in der Beschreibung lässt sich eine Handlungsaufforderung finden. Jedoch sorgt die Emotionalität des Fotos für eine weite Verbreitung, 4943 Nutzer*innen liken und 5667 teilen das Bild. In den Kommentaren wird stark kritisiert, warum sich die Deutschen an den Islam anpassen müssen und nicht anders herum.

Die Nutzerin Beate schreibt: „Ob freiwillig oder nicht. Es ist ein Einknicken vor einer einzelnen, Integrationsunwilligen und intoleranten Islamistin.Traditionen an einer Schule zugunsten solcher Subjekte zu ändern ist nichts anderes als Unterwerfung unter eine Steinzeitideologie und hirnaufgeweichtes Gutmenschentum. Wenn das aufgeklärter Islam sein soll- Gute Nacht“.[31]Der Nutzer Olaf kritisiert weitere Anpassungen, zu denen uns der Islam offenbar zwingt: „Wir Leben hier in Deutschland, müssen uns gefallen lassen das Weihnachtsmärkte in Wintermarkt umbenannt werden.Das es in Schulen kein Schweinefleisch mehr gibt.Das ist hier Deutschland und jeder der hierherkommt hat sich nach uns zu Richten und nicht umgekehrt.Unsere Regierung hat echt ne Vollklatsche“.[32]Aber auch viele Gegenstimmen werden in den Kommentaren laut, wie von Friedrich: „Als Schülersprecher der betroffenen Schule weise ich diese Darstellung deutlich zurück. Die Darstellung an dieser Stelle sowie in den meisten anderen Medien die darüber berichtet haben ist falsch. Es hat von keiner muslimischen und auch von sonst keiner Schülerin eine Beschwerde über eine etwaige Weihnachtsfeier gegeben. Ich protestiere hiermit dagegen, dass die AfD diese falsche und einseitige Berichterstattung nutzt um antimuslische Stimmung zu schüren“.[33]Tatsächlich stimmt der Vorwurf der AFD überhaupt nicht. Die Weihnachtsfeier der Schule fiel nicht für alle aus, sondern wurde lediglich in den Nachmittag verschoben. Somit ist die Teilnahme freiwillig. Grund war, dass aufgrund dem Weggang des Lehrers, der die Feier sonst organisierte, nun die Schülervertretung für die Organisation der Feier einsprang. Die muslimische Schülerin, die Gauland anspricht, hat sich nicht über die Weihnachtsfeier, sondern über das Singen von christlichen Weihnachtsliedern im Unterricht beschwert, woraufhin die Schulleitungen um einen sensibleren Umgang mit solchen Angelegenheiten im Kollegium bat. Die AfD beruft sich aber weiterhin auf den NDR, da die Leiterin des NDR Studios Lüneberg weiterhin die muslimische Schülerin als Grund für die Verschiebung der Feier ansieht, so habe ihr es der Direktor der Schule in einem Telefonat gesagt.[34]

Bild 3- Schlussfolgerung

In diesem SharePic setzte die AfD voll auf Emotionen und bestärkte damit die Ängste vieler Nutzer*innen, die den Wegfall deutscher Traditionen befürchten. Die hohe Anzahl der Shares zeigt, wie erfolgreich solche emotionalen Beiträge auf Facebook sind. Das hinter dem Vorfall nur ein Personalwechsel steht und es im Grunde nur um die freiwillige Teilnahme am Gesang von christlichen Weihnachtsliedern geht, kommt bei vielen Nutzer*innen nicht mehr an, sie reagieren empört über die offenbar integrationsunwilligen Moslems.

Fazit

Während meiner Untersuchung der drei Facebook-Bilder konnte ich viel über die Social Media Strategie der AfD in Erfahrung bringen. Einzelne Ereignisse werden verallgemeinert und als Beweis für die allgemeine Gefahr des Islams verwendet. Auch komplexe Probleme wie die Altersarmut in Deutschland werden angesprochen, dabei achtet die AfD aber auf die Nutzungsgewohnheiten von Facebook Nutzer*innen.

Diese haben keine Zeit lange PDFs lesen, in denen Vor- und Nachteile möglicher Lösungsvorschläge ausgiebig diskutiert werden. Sie scrollen in ihrer Timeline nach unten, wobei nur optisch herausstechende Beiträge ihre Aufmerksamkeit erlangen. SharePics sind solche herausstechenden Inhalte, denn ein großes Bild mit prägnanter Beschriftung lässt sich in kürzeste Zeit voll erfassen. Die AfD weiß, dass jede Interaktion, sei es ein Kommentar, ein Like oder ein Teilen, das Bild in den Freundeskreisen der Nutzer*innen verbreitet. Daher sind die Aussagen der SharePics sehr emotional, sie sollen bei dem*der Nutzer*in beispielsweise Wut, Angst oder Humor auslösen. Überträgt sich die Emotion auf den*die Nutzer*in, so ist es sehr wahrscheinlich, dass dieser*diese sich selbst zu dem Thema äußern will. Aber auch Kritiker*innen werden so ermuntert den provokanten Aussagen der AfD entgegenzutreten, was die Zahl der Interaktionen weiter erhöht. Wie Christian Lüth bereits sagte ist der Wahlkampf auf Facebook ein „schneller, direkter und preiswerter Zugang zu den Menschen“[35], denn es müssen keine Gelder für Plakate, Flyer oder andere Werbeformate ausgegeben werden. Auch muss diese Werbung nicht langfristig geplant und vorbereitet werden, es reicht sich einzuloggen und in Sekundenschnelle einen Facebook Beitrag für ein Millionenpublikum zu veröffentlichen. Zudem ermöglichst es Facebook gezielte Werbeanzeigen zu kaufen. Da die Plattform im Besitz vieler persönlicher und demographischer Daten der Nutzer ist, kann die AfD genau festlegen wer die Werbeanzeigen zu sehen bekommt. Mögliche Optionen für die Festlegung der Zielgruppe sind Alter, Geschlecht, Wohnort, Schulabschluss, Beruf, Beziehungsstatus, Interesse für Vereine und Seiten, Kaufverhalten und Gerätenutzung. Das die AfD die höchste Anzahl an Likes unter allen Parteien hat ist nicht verwunderlich, wenn man sieht wie sehr die Partei das Werbepotenzial von Facebook zu nutzen weiß.

 

[1]Der Bundeswahlleiter 2018.

[2]Häusler 2018.

[3]Schneider 2017.

[4]Westrick 2017.

[5]Stand 22.4.18.

[6]AfD 2018.

[7]Schulz 2016.

[8]Stand 22.4.18.

[9]Bernd L. 2018.

[10]Cengiz Y. 2018.

[11]Martin D. 2018.

[12]Wolfgang H. 2018.

[13]Preker 2018.

[14]Sirleschtov 2018.

[15]Meuthen 2018.

[16]Spaniel 2018.

[17]Bild 2018.

[18]Kelle 2018.

[19]Kika 2018.

[20]Spaniel 2018.

[21]Kirfel; Schreijäg 2018.

[22]Stand 26.4.18.

[23]Andreas M. 2018

[24]Schirrmacher 2007

[25]Stephen R. 2018

[26]Kienel 2018.

[27]Kika 2018.

[28]Michael L. 2018

[29]Kika 2018.

[30]AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag 2018.

[31]Beate B. 2017.

[32]Olaf B. 2017.

[33]Friedrich H. 2017.

[34]Lüdecke 2018.

[35]Schneider 2018.

 

Nachweise:

 

AfD, in: Facebook, 6.1.18, URL: https://www.facebook.com/alternativefuerde/photos/a.542889462408064.1073741828.540404695989874/1739347876095544/?type=3&theater, letzter Zugriff am 22.4.18.

 

AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, in: Facebook, 19.12.17, URL: https://www.facebook.com/afdimbundestag/photos/a.159958374587682.1073741828.151974798719373/184028282180691/?type=3&theater, letzter Zugriff am 26.4.18.

 

Alexander Häusler; Oskar Niedermayer, Debatte: Ist die Alternative für Deutschland eine rechtspopulistische Partei?, in: Bundeszentrale für politische Bildung, 17.1.17, URL: http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtspopulismus/240956/debatte-alternative-fuer-deutschland, letzter Zugriff am 22.4.18.

 

Alexander Preker, Altersarmut nimmt in Deutschland drastisch zu, in: Spiegel Online, 26.6.17, URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/altersarmut-nimmt-in-deutschland-drastisch-zu-a-1153561.html, letzter Zugriff am 22.4.18.

 

Andreas M., Kommentar auf Facebook, URL: https://www.facebook.com/Prof.Dr.Joerg.Meuthen/posts/954892634659442?comment_id=955246711290701&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D.

 

Anonym, Aufregung um Flüchtlings- Doku im Kinderkanal, in: Bild, 8.1.18, URL: https://www.bild.de/politik/inland/fluechtlingskrise/aufregung-um-kika-sendung-malvina-diaa-fluechtling-liebt-minderjaehrige-54415982.bild.html, letzter Zugriff am 26.4.18.

 

Antje Sirleschtov, Vier Thesen zum AFD- Erfolg in Ostdeutschland, in: Der Tagesspiegel, 27.9.17, URL: https://www.tagesspiegel.de/politik/nach-der-bundestagswahl-vier-thesen-zum-afd-erfolg-in-ostdeutschland/20381742.html, letzter Zugriff am 22.4.18.

 

Beate B., Kommentar auf Facebook, URL: https://www.facebook.com/afdimbundestag/posts/184028302180689?comment_id=838533946350803&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D.

 

Bernd L., Kommentar auf Facebook, URL: https://www.facebook.com/alternativefuerde/posts/1739347976095534?comment_id=1739355099428155&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D.

 

 

Birgit Kelle, Und als nächstes bei Kika? Workshop Hidschab binden?, in: Welt, 10.1.18, URL: https://www.welt.de/vermischtes/plus172361243/Programm-fuer-Kinder-Und-als-Naechstes-bei-Kika-Workshop-Hidschab-binden.html, letzter Zugriff am 26.4.18.

 

Cengiz Y., Kommentar auf Facebook, URL: https://www.facebook.com/alternativefuerde/posts/1739347976095534?comment_id=483879152012964&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D.

 

Der Bundeswahlleiter, Pressemitteilung Nr. 34/17, in: Der Bundeswahlleiter, 12.10.17, URL: https://www.bundeswahlleiter.de/info/presse/mitteilungen/bundestagswahl-2017/34_17_endgueltiges_ergebnis.html, letzter Zugriff am 22.4.18.

 

Dirk Spaniel, in: Facebook, 8.1.18, URL: https://www.facebook.com/spaniel.afd/posts/1991203587829171, letzte Zugriff am 26.4.18.

 

Frida Westrick, Ein Monat mit der AFD, in: Gewerkschaft Bildung und Erziehung, 9.11.17, URL: https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ein-monat-mit-der-afd/, letzter Zugriff am 22.4.18.

 

Friedrich H., Kommentar auf Facebook, URL: https://www.facebook.com/afdimbundestag/posts/184028302180689?comment_id=297036067483791&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D.

 

Gudrun Kirfel; Jonas Schreijäg, Malvina, Diaa und der Shitstorm, in: NDR/Zapp, 17.1.18, URL: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Malvina-Diaa-und-der-Shitstorm,kika150.html, letzter Zugriff am 26.4.18.

 

Jens Schneider, So aggressiv macht die AFD Wahlkampf auf Facebook, in: Süddeutscher Zeitung, 14.9.17, URL: http://www.sueddeutsche.de/politik/gezielte-grenzverletzungen-so-aggressiv-macht-die-afd-wahlkampf-auf-facebook-1.3664785-2, letzter Zugriff am 22.4.18.

 

Jörg Meuthen, in: Facebook, 10.1.18, URL: https://www.facebook.com/Prof.Dr.Joerg.Meuthen/photos/a.554885501326826.1073741828.554345401380836/954892167992822/?type=3&theater, letzter Zugriff am 26.4.18.

 

Kika Redaktion, Eine Erläuterung zu „Schau in meine Welt- Malvina, Diaa und die Liebe“, in: Kika, 10.1.18, URL: https://www.kika.de/erwachsene/begleitmaterial/sendungen/schau-in-meine-welt/einordnung100_reload-true_zc-9bd9787f.html, letzter Zugriff am 26.4.18.

 

Malvina, Diaa und die Liebe, in: Kika, 26.11.18, URL: https://www.kika.de/schau-in-meine-welt/sendungen/sendung103934.html, letzter Zugriff am 26.4.18.

 

Martin D., Kommentar auf Facebook, URL: https://www.facebook.com/alternativefuerde/posts/1739347976095534?comment_id=1739390979424567&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D.

 

Michael L., Kommentar auf Facebook, URL: https://www.facebook.com/Prof.Dr.Joerg.Meuthen/posts/954892634659442?comment_id=955577921257580&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D.

 

Olaf B., Kommentar auf Facebook, URL: https://www.facebook.com/afdimbundestag/posts/184028302180689?comment_id=184036608846525&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D.

 

Pia Kienel, Unverantwortlich, wie wir mit den Beiden umgehen: Islamwissenschaftlerin rechnet ab, in: Focus, 14.1.18, URL: https://www.focus.de/kultur/kino_tv/tv-kolumne-engel-fragt-spezial-unverantwortlich-wie-wir-mit-den-beiden-umgehen-islamwissenschaftlerin-rechnet-ab_id_8295330.html, letzter Zugriff am 26.4.18.

 

Schirrmacher, Christine, Ehrenmorde- ein verbreitetes Phänomen, in: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, 2007, URL: https://www.igfm.de/themen/ehrenmorde/tradition/, letzter Zugriff am 21.6.18.

 

Schulz, Martin, Heidelberger Hochschulrede, 9.6.16.

 

Stephen R., Kommentar auf Facebook, URL: https://www.facebook.com/Prof.Dr.Joerg.Meuthen/posts/954892634659442?comment_id=955254594623246&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D.

 

Ulf Lüdecke, Weihnachtsfeier-Aus wegen Muslima? Schulrektor verstrickt sich in Widersprüche, in: Focus Online, 20.12.17, URL: https://www.focus.de/politik/deutschland/rektor-dementiert-berichte-verwirrung-in-lueneburg-weihnachtsfeier-nach-beschwerde-von-muslima-verschoben_id_8030493.html, letzter Zugriff am 3.5.18.

 

Wolfgang H., Kommentar auf Facebook, URL: https://www.facebook.com/alternativefuerde/posts/1739347976095534?comment_id=1739390979424567&reply_comment_id=1739394079424257&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D.